Wiesbadener Tagblatt: „Sonnenwend, Kerb und Fastnacht“

Die „Freiwillige“ belebt Sonnenberger Kerb mit ihrer Straußwirtschaft / Rege Nachwuchsarbeit

Wiesbadener Tagblatt
Vom 24. August 2009
Von Alexandra Ehrhardt

Mit ihrer Straußwirtschaft „Zur Feuerwache“ bildet die Freiwillige Feuerwehr in Sonnenberg den sozialen Treffpunkt der jährlichen „Summerischer Kerb“. Während auf dem Hofgartenplatz bunte Lichter, Musik und Dosenwerfen locken, kann man sich hier niederlassen und unterhalten, während die Ehrenamtlichen der Wehr dafür sorgen, dass am Samstagnachmittag Kuchen und am Sonntagvormittag Haspel- und Wellfleisch auf die Teller kommt. Die Straußwirtschaft anlässlich der Kerb steht somit sinnbildlich für das, was der Verein – neben Löschen und Leben retten – für die Bevölkerung und die Mitglieder unternimmt.

„Alle, die wir organisieren konnten, sind an diesem Wochenende auf den Beinen“, sagt Maximilian Abel, der als Schriftführer des Vereins Freiwillige Feuerwehr Sonnenberg und als Aktiver der Einsatzabteilung im doppelten Sinne für die Wehr aktiv ist.

Seit Mitte der siebziger Jahre eröffnet der Verein gegenüber des Hofgartenplatzes während der Kerb seine Straußwirtschaft, für die das Gerätehaus leergeräumt wird, damit an jener Stelle, an der normalerweise die beiden Einsatzfahrzeuge stehen, Platz für die provisorische Küche ist. Unzählige Biertischgarnituren werden ebenfalls aufgestellt. Zwei Tage rechnen die Männer jedes Mal mit dem Aufbau und einen Tag mit dem Abbau.

„Die Kerb gehört neben der Sonnenwend-Feier im Juni auf der Wiese an der Kloppenheimer Steige zu unseren wichtigsten öffentlichen Festen, bei denen wir uns präsentieren können. Alles andere läuft vornehmlich vereinsintern“, bekennt Abel und meint damit: diverse Tagesausflüge oder beispielsweise das Helfer-Grillen am Montagabend nach dem Abbau der Straußwirtschaft. Interner Höhepunkt war in diesem Jahr jedoch ganz klar der Besuch der Sonnenberger Fastnachtsitzung, bei der rund 25 Feuerwehrleute einheitlich als Matrosen verkleidet zum Hingucker avancierten.

Damit die Wehr, die es in Sonnenberg seit 1896 gibt, auch in Zukunft bestehen bleibt, legt sich der Verein für seine Jugend ins Zeug: Neben dem üblichen Training jeden Mittwoch von 17.30 bis 19.30 Uhr hält man den Nachwuchs mit Ausflügen und Freizeiten bei der Stange, bis er – nach entsprechender gesundheitlicher Untersuchung – in die Einsatzabteilung wechseln darf.

Die besondere Faszination der Feuerwehr sieht Wehrführer Peter Kusch neben dem Umgang mit der innovativen Technik und dem Retten von Menschenleben in dem besonders regen Gemeinschaftsleben. „Anders als beispielsweise in einem Sportverein muss man in einer Wehr besonders eng zusammenhalten. Da ist Teamgeist gefragt, damit in den entscheidenden Momenten jeder Handgriff sitzt.“

15 Jugendliche werden aktuell für die Einsatzabteilung fit gemacht und der ganz junge Nachwuchs steht auch schon in den Startlöchern: „Zurzeit haben viele aus der 25-köpfigen Einsatzabteilung eine Familie gegründet. Deshalb wollen wir in Zukunft die Frauen und Kinder stärker in das Vereinsleben einbeziehen“, blickt Abel in die nächsten Monate und Jahre.

Dass bei wöchentlichen Übungsstunden und zwischen 20 und 30 Einsätzen im Jahr – meistens wegen Unwetter – Freundschaften zwischen den Vereinskollegen entstehen, ist fast vorprogrammiert. „Junggesellenabschiede, Polterabende mit Schaumteppich und das Spalierstehen in der ersten Garnitur mit Mütze und Krawatte bei Hochzeiten gehören fast schon zum Vereinsalltag“, lächelt Abel, in dessen Verein sich nicht nur die jüngeren Feuerwehrkräfte Zuhause fühlen: In der Alters- und Ehrenabteilung finden Mitglieder auch lange nach ihren aktiven Feuerwehr-Jahren Gelegenheit für Austausch und Freizeitgestaltung.

Neben der Familienfreundlichkeit steht in naher Zukunft auch wieder die Brandschutzerziehung im Focus der Vereinsarbeit. „In den letzten Jahren haben wir das personell nicht mehr geschafft, weil die Grundschulen und Kindertagesstätten tagsüber besucht werden müssen. Jetzt haben wir fünf Mitglieder, die gerade eine entsprechende Ausbildung absolvieren, um die Kinder im ganzen Stadtgebiet zusammen mit Vertretern anderer Wehren rund um das Thema Feuer zu informieren“, weiß Kusch, der hierin auch eine – wenn auch sehr frühe – Form der Mitgliederwerbung sieht.

Links:

  • Wiesbadener Kurier: „Immer mehr Vereine kehren Kerb den Rücken
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